Am 12. August ist Sonnenfinsternis. Klar, weißt du! Seit Monaten oder Jahren bereitest du dich darauf vor. Finca in Spanien gemietet. Flug gebucht. Equipment vorbereitet. Zeitplan minutiös notiert. Reise läuft praktisch von selbst. Hoffentlich kein Waldbrand, sonst kann nichts mehr schiefgehen. Wolken: unwahrscheinlich.
Waaaaas, hast du alles nicht? Keep cool. Hier sind ein paar Tipps, wie du das beste daraus machen kannst. Wenn der Himmel klar genug ist, um die Sonne zu sehen, kannst du die Sonnenfinsternis beobachten. Sogar dann, wenn du jetzt keine Brille mehr bekommst!
(Vorsicht: Niemals direkt in die Sonne blicken.)
Wann und wo?
Auf timeanddate.de siehst du, wann die Finsternis an deinem Ort beginnt und wann die Sonne untergeht (= Ende). Gib rechts oben im Suchfeld deinen Ort ein (oder einen Ort in der Nähe), dann bekommst du genaue Zeiten (zB. für Wien oder Berlin).
The Photographer’s Ephemeris zeigt dir, in welche Richtung die Sonne während der Finsternis an einem bestimmten Ort steht: photoephemeris.com
Wo ist der höchste Punkt in deiner Nähe? Den findest du hier: topographic-map.com
Auch das Programm Stellarium ist hilfreich. Es ist kostenlos, läuft auf allen Betriebssystemen und ist open source.
Übrigens: Es ist die beste Finsternis seit 1999 und die nächsten zehn Jahre!
Veranstaltung: Viele Sternwarten und Astro-Vereine organisieren gemeinsame Beobachtungen. Hier ist eine Liste mit Vereinen und Sternwarten, die du kontaktieren kannst.
Ideen für die letzte Minute
Sicherheit geht vor! Das Wichtigste: Pass auf deine Augen auf! Wenn du ungeschützt in die Sonne schaust, ist das gefährlich. Noch schlimmer: durch ein Teleskop blicken. Am Ende eines Teleskops kann man Zigaretten anzünden, also Vorsicht.
Sicher ist eine Lochblende (Anleitung unten). Du solltest sie vorher ausprobieren, damit es am Abend sicher klappt.
Teleskop, aber kein Filter: Du kannst hinter das Okular einen Notenständer mit einem Blatt Papier stellen. Oder was immer du findest. Teleskop zur Sonne richten (nicht durchsehen! Ich beobachte den Schatten des Teleskops). Dass es geklappt hat, merkt man, wenn ein heller Kreis auf dem Blatt Papier auftaucht, das auf dem Pult liegt. Dann noch scharf stellen – und fertig. Du siehst als Projektion, wie der Mond langsam die Sonne verdeckt.
Wichtig: Lass immer jemand aufpassen, dass keiner ins Teleskop schaut!
Sonnenfinsternis-Brillen: Nur damit kann man die Finsternis sicher direkt beobachten.
No-go / geht gar nicht: Rußgeschwärzte Gläser. CDs, DVDs oder Blu-rays. Folien, die nicht für Sonnenbeobachtung hergestellt wurden (sondern für andere Zwecke). Geknickte oder gefaltete Folien – dort können winzige Löcher sein, die man nicht sieht. Keinesfalls Rettungsdecke!
Wenn nichts zur Hand: Bastle mit einem Stück Papier oder Karton eine Lochblende!
Lochblende! Es geht sehr einfach:
- Nimm ein Stück dünnen Karton (A5 A4) oder festes Papier
- In der Mitte falten
- Mit einem Locher ein paar Löcher am Falz stanzen
- Wieder auffalten
- Durch die Löcher Sonnenlicht auf eine Wand fallen lassen (ca 1,5-2 Meter entfernt)
- Auf der Wand sind runde Sonnenflecken.
- Während der Finsternis sind die Sonnenflecken sichelförmig
Man kann auch Löcher (ca. 5x5mm) schneiden, z. B. mit Stanleymesser. Löcher müssen nicht rund sein. können auch vier- oder dreieckig sein. Schau als Anregung dieses Bild an:

Die Löcher wirken wie kleine Linsen. Wenn du mehr darüber wissen willst: Lies alles zum Thema Lochblende oder Camera obscura.
Mit etwas mehr Aufwand entsteht eine Art „Sonnenteleskop“:
- Dazu brauchst du eine Kartonröhre (sollte nicht knicken). Gut wäre, wenn sie 1 Meter lang ist. Mehr oder weniger geht auch.
- Vorne klebst du Alufolie drüber. Dieser Teil zeigt später zur Sonne. In die Folie machst du ein kleines Loch. (z. B. mit einer Stopfnadel oder einem dicken Pin) (Es kann auch eine andere dünne Folie oder schwarzes Tonpapier sein – Hauptsache undurchsichtig!)
- Hinten klebst du Transparentpapier auf – so glatt wie möglich und etwas milchig.
- Gut wäre zusätzlich noch eine Abdeckung, die die Sonne abschirmt. Dann blendet die Sonne nicht so stark. Es kann ein großes Stück Karton mit einem Loch sein, durch das du die Röhre schiebst und dann festklebst.
So funktioniert es: Du richtest das „Sonnenteleskop“ zur Sonne (nicht zur Sonne gucken, sondern den Schatten beobachten! Also von der Sonne wegschauen.) Schließlich fällt ein kleines Sonnenbild auf das Transparentpapier. Je länger die Röhre ist, desto größer ist das Bild. Falls der Lichtfleck zu dunkel ist, kannst du das Loch in der Folie etwas vergrößern. (Fang mit einem kleinen Loch an, größer machen ist einfacher als Verkleinern.)
Beide Methoden sind auf jeden Fall besser, als die Sonnenfinsternis gar nicht zu sehen!
Wenn dir die Bastelei zu mühsam ist, nimm ein Küchengerät oder beobachte einen Baum, der vor einer Wand steht. Durch die Lücken zwischen den Blättern scheint die Sonne, und diese Sonnenflecken sind normalerweise rund. Am 12. August bei Sonnenuntergang sind sie sichelförmig! Eigentlich passt jede Art von Lücken, durch die die Sonne scheint.
Vergesst nicht auf die Perseïden!
Natürlich ist die Sonnenfinsternis das seltenere und aufregendere Ereignis. Doch sobald die Sonne untergegangen ist, folgt eine Sternschnuppen-Nacht bei Neumond. Was für ein glücklicher Zufall! Denn so eine dunkle Perseïden-Nacht ist selten. Um Sternschnuppen zu beobachten, suche einen dunklen Ort, leg dich in einen Liegestuhl und warte auf die Meteore. Wünsche nicht vergessen!